Ärger bei Ulisses Spiele



Bei "Ulisses Spiele" laufen zurzeit die Autoren Reihenweise davon. Grund dafür soll wohl eine Rassistische und Sexistische Ausrichtung des Verlags sein. Zur Zeit gibt es noch keine Stellungnahme von Ulisses dazu, aber der Autor Mike Krzywik-Groß, bekannt durch "Das Schwarze Auge" hat dazu eine Stellungnahme verfasst.

Stellungnahme:
Seit 2010 schreibe ich für Das Schwarze Auge.img_3763
Seit 1985 spiele ich die Spiele rund um Aventurien. Während mein erster Roman noch bei FanPro erschien, folgten zwei weitere Bücher bei Ulisses, mehrere Kurzgeschichten, sowie Artikel im Aventurischen Boten. Ich war Jury-Mitglied in einem Kurzgeschichtenwettbewerb, nahm an mehreren Autorentreffen teil, war für das maraskanische Fachlektorat zuständig und aktuell wollten wir gemeinsam Projekte mit einem Umfang von rund einer Millionen Zeichen stemmen, worauf ich mich sehr gefreut hatte. Leider musste ich nun die Reißleine ziehen und mich aus der Zusammenarbeit verabschieden.
Was war geschehen?
Ähnlich wie Michael Masberg, der vor Kurzem ebenfalls seinen Abschied verkündet hatte, waren es anfangs kleinere Dinge die mir aufstießen und welche ich zum Teil kommunizierte, zum Teil auch einfach hingenommen hatte. Doch in letzter Zeit häuften sich die Schwierigkeiten, welche nun zu einer unüberbrückbaren Distanz geführt haben.
Konkret heißt das
Mit der Ankündigung des Buches „Wege der Vereinigung“ war mein Unbehagen geweckt. Auf Nachfragen, wie man ein Buch u. a. über Prostitution veröffentlich könnte ohne dabei die Themen Ausbeutung und sexualisierte Gewalt zu bewegen, wurde mir von Redaktionsseite versichert, dass sie sich mit Experten beraten hätten und LGBTQ-Menschen für das Projekt gewinnen konnten. So sollte ein hohes Maß an Diversität sichergestellt werden.
Leider deuten erste kritische Berichte zu dem Band darauf hin, dass der Wunsch nach Diversity nicht besonders gehört wurde. Ich bin nicht verwundert, dass der Band eine heterosexuelle Ausrichtung aufweist, dass er aber fast ausschließlich weibliche Geschlechtsmerkmale zeigt, finde ich jedoch befremdlich. Wenn ich dann höre, dass im begleitenden Kurzgeschichtenband Vergewaltigungsphantasien dargestellt werden, bleibe ich (beinahe) sprachlos zurück.
Leider passt es ins Bild. Erst vor Kurzem hatte ich vehement interveniert, als die Facebookseite des Schwarzen Auges mit dem unfassbar hässlichen und sexistischen Cover von „Blut & Silber: Das Karghügel-Ahnengrab“ [edit: Autor hat das Cover nach der Kritik geändert] den Scriptorium-Shop bewarb. Der entsprechende Post wurde zwar gelöscht, dass Cover ziert jedoch noch immer das Scriptorium.
All dies habe ich versucht hinzunehmen, intern zu diskutieren oder auf Veränderungen zu drängen. Was ich jedoch nicht mehr hinnehmen kann und möchte ist die Reproduktion von rassistischen Stereotypen, wie sie ebenfalls in dem Band „Wege der Vereinigung“ vorgenommen werden.
Ulisses hat nicht nur ein Problem mit Sexismus
In einer Würfeltabelle, die absurder kaum sein kann (es geht um die Länge von männlichen Geschlechtsteile), erhält ein Schwarze Charakter einen Bonus. Gäbe es keinen rassistischen Hintergrund könnte man den Kopf schütteln, vor so viel kleine-weiße-Jungs-Humor, so geht das natürlich nicht. Es handelt sich um nichts anderes als das Wiedergeben von rassistischen Klischees und eine kolonialistische Reduktion auf die animalische Wildheit von Schwarzen, was offensichtlich sein sollte. Nicht jedoch für den Verlag, der ebendies publizieren lässt.
Ich habe so einen widerlichen Altherrenwitz seit Lothar Matthäus nicht mehr lesen müssen und bin sowohl entsetzt, als auch empört darüber. Wie kann man nur auf den Gedanken kommen die Festschreibung von rassistischen Klischees sei witzig? Und wirklich, ich erwarte auf diese Frage keine Antwort, aber ich erwarte von einem Verlag einen Umgang damit.
Dass das Problem öffentlich in Forendiskussionen verhandelt wurde, liegt bereits mehr als einen Monat zurück. Bisher wurde die Publikation lediglich von Einzelnen Redaktionsmitgliedern mit dem Hinweis auf biologistische Statistiken verteidigt und geäußerte Kritik daran zurückgewiesen. Ein sensibler Umgang mit Themen wie Sexismus und Rassismus kann ich dabei nicht erkennen. Ich möchte die Debatte an dieser Stelle nicht neu aufrollen, sie ist hier und hier gut nachzulesen.
Ich habe mich intern an die Redaktion gewandt und um eine öffentliche Stellungnahme gebeten und darum, diesen Rassismus aus den Büchern zu nehmen. Leider bisher ohne Ergebnis.
Um es noch einmal deutlich zu betonen: Mir geht es nicht um die Frage nach Schuld und Entschuldigung, mir geht es darum anzuerkennen, dass man Rassismus reproduziert und dieses zukünftig weitgehend seinlässt. So wäre die Veränderung des PDFs technisch problemlos möglich. Es sollte auch nicht schwierig sein öffentlich einen Fehler einzuräumen und ihn zu ändern. Wer mich kennt weiß, dass ich der Erste wäre, der dies wohlwollend befördern würde. Rassismus ist in erster Linie keine Einstellung, sondern ein System in dem wir uns alle bewegen. Aus diesem Grund geht es auch nicht darum mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern sich des Themas anzunehmen, es zu reflektieren und sein handeln zu verändern.
Das man mit Diversity im Rollenspiel auch anders umgehen kann zeigt z. B. das Spielerhandbuch von D&D5, wo der Archetyp des Kriegers eben nicht von einem blonden, blauäugigen Recken dargestellt wird, sondern von einem Schwarzen Kämpfer. Bei dieser und mehreren anderen Illustrationen wird deutlich, dass man sich dort Gedanken zu dem Thema gemacht hat. Bei Ulisses kann ich dies nach den genannten Punkten und dem Umgang mit der Kritik nicht erkennen.
Aus diesem Grund habe ich bestehende Produktplanungen abgesagt und mich aus allen Verknüpfungen gelöst. Ich möchte nicht, dass mein Name im Zusammenhang mit oben aufgezeigten Stereotypen und rassistischen Darstellungen genannt wird.
Bedanken möchte ich mich bei allen Wegbegleitern, von denen viele ebenfalls nicht mehr an Das Schwarze Auge beteiligt sind, für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.
Preiset die Schönheit, Bruderschwester
Mike Krzywik-Groß
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